Cellulose

Nano-Cellulose, auch Zellulose genannt, ist ein vielseitiger Rohstoff. Sie wird beispielsweise für Dämmstoffe und Folien für Lebensmittelverpackungen eingesetzt. Aufgrund ihrer Fähigkeit, Wasser zu speichern, kommt Cellulose auch in medizinischen Produkten zum Einsatz. Nanocellulose kann darüber hinaus Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden und dort beispielsweise als Verdickungsmittel oder Stabilisator dienen.

Cellulose und die für innovative Anwendungen interessante Nanocellulose können aus Holz und anderen pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die biotechnologische Herstellung durch Bakterien, die aus zuckerhaltigen Nährmedien Cellulose bilden. Die Verfahren zur Herstellung und Verarbeitung von Nanocellulose haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Während insbesondere frühe Herstellungsverfahren noch mit einem hohen Energieaufwand verbunden waren, wurden die Prozesse seither kontinuierlich verbessert.

 

Hände halten Dämmwolle aus Cellulose. Bildrechte Ingo-Bartussek-stock.adobe.com
Zellulose-Baudämmung ©Ingo-Bartussek-stock.adobe.com
Wie könnte ich damit in Kontakt kommen?

Nanocellulose kann auf verschiedenen Wegen mit unserem Körper in Kontakt kommen. In Implantaten oder Wundauflagen berührt sie Gewebe direkt. Über Nahrungsergänzungsmittel kann sie außerdem in den Magen-Darm-Trakt gelangen und dort mit der Darmschleimhaut in Kontakt kommen.

Wie gefährlich ist das Material für Mensch und Umwelt?

Nano-Cellulose ist als ungiftig eingestuft und bewirkt keine Abstoßungsreaktionen im Körper. Es gibt keine Sicherheitsbedenken bei der Nutzung der Nano-Cellulose als Zusatzstoff in Nahrungsergänzungsmitteln, auch wenn beobachtet wurde, dass die Darmwände für diese Substanz durchlässig sind. Experimente konnten zeigen, dass Nano-Cellulose nur in sehr hohen Konzentrationen das Zellwachstum beeinträchtigt.

 

Fazit

Der Mensch hat regelmäßig Kontakt zu Nano-Cellulose, z.B. über Hygieneprodukte. Aber es gibt keinerlei Bedenken gegenüber diesen Einsatzmöglichkeiten in den verschiedenen Produkten.

 

Nebenbei

Gewöhnliche Cellulose ist ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel allgemein zugelassen (E460).

 

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Erstellt 2011 – update 2026

Eigenschaften und Anwendung


Cellulose ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Sie kommt vor allem in Holz und anderen Pflanzenfasern vor und wird vielseitig genutzt, beispielsweise als Rohstoff für Textilien und Baumaterialien oder als Ausgangsstoff für nachhaltige Werkstoffe.

Seit einigen Jahren rückt besonders Cellulose mit Strukturen im Nanometerbereich, sogenannte Nanocellulose, in den Fokus. Sie kann aus verschiedenen natürlichen Rohstoffen wie Holz oder anderen Pflanzenfasern gewonnen werden. Je nach Struktur liegt Nanocellulose beispielsweise in Form kleinster Fibrillen oder kristalliner Partikel vor.

Diese nanoskaligen Cellulosematerialien besitzen besondere Eigenschaften und eröffnen dadurch vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Sie können unter anderem Kompositmaterialien verstärken, aber auch in medizinischen Anwendungen und in den Lebenswissenschaften eingesetzt werden.

Nanocellulose wird in drei Kategorien unterteilt: mikrofibrillierte Cellulose (MFC), nanokristalline Cellulose (NCC) und bakterielle Nanocellulose (BNC):


  • Mkrofibrillierte Cellulose, MFC hat einen Durchmesser von ca. 5-100 nm bei einer Länge von einigen Mikrometern . Sie kommen in unterschiedlichen Verpackungsmaterialien, in Nanokompositen, Emulsions- und Dispergiermitteln sowie Lebensmitteln zum Einsatz. Des Weiteren werden MFCs in medizinischen, kosmetischen und pharmazeutischen Produkten eingesetzt. Eingearbeitet in Kunststoffe erhöhen die MFCs die Zugfestigkeit dieser Komposite um ein Vielfaches [2]. Ihre Eigenschaft, eine große Menge Wasser speichern zu können bei gleichzeitig geringem Gewicht macht sie auch für Anwendungen in Absorptionsmitteln und Hygieneprodukten interessant.
  • Nanokristalline Cellulose (NCC) bzw. Cellulose-Nanokristalle (CNC) hat einen Durchmesser von 5-20 nm und weist eine Länge von 100-250 nm auf, wenn sie aus Pflanzencellulose gewonnen wird. Bei der Herstellung aus Algen, Bakterien oder Tunicaten kann die Länge von 100 nm bis hin zu einigen µm betragen . Nanokristalline Cellulose besitzt einzigartige optische und flüssigkristalline Eigenschaften. Bislang scheint es keine Produkte mit NCC am Markt zu geben, jedoch arbeiten unterschiedlichste Branchen an einer Kommerzialisierung, z.B. Papierindustrie, (Lebensmittel-) Verpackungsindustrie oder Beschichtungsunternehmen.
  • Bakterielle (Nano)Cellulose (BNC) hat verglichen mit mechanisch isolierter MFC kleinere Durchmesser und ist deutlich homogener. Sie bildet Nanofasernetze unterschiedlichster Morphologie . BNC stellt man durch einen biotechnologischen Prozess mit Hilfe eines Bakteriums beispielsweise aus Zuckern her. Diese Biocellulose besitzt eine ähnlich hohe Festigkeit wie Stahl oder Kevlar (bezogen auf die BNC-Einzelfaser) und weist meist eine sehr hohe Kristallinität von 80-90% auf. Meist bilden sich während der Herstellung formstabile Aerogele aus den BNC-Netzwerken. Diese können einen Porendurchmesser von weniger als 10 µm haben und außerordentlich transparent sein. Derzeit forscht man an Biocellulose in den Bereichen Brennstoffzellen, Elektrotechnik, Membranen, Medizintechnik (insbesondere Implantate auf BNC-Basis) und Kompositmaterialien. 


 

Cellulose ist nicht selbstentzündlich. Als fein verteilte Mischung mit Luft (Staub) unter Einwirkung einer Zündquelle ist Cellulose entzündlich (Staubexplosion). Das Verhalten bei einer Staubexplosion ist vergleichbar mit dem anderer, kohlenstoffbasierter Materialien.


 

Herstellung

  • Mikrofibrillierte Cellulose (MFC) wird aus Holzcellulosefasern durch mechanische Fibrillierung gewonnen. Dazu werden die Fasern beispielsweise unter hohem Druck, bis etwa 1.500 bar, durch die Interaktionskammern eines Homogenisators gepresst. Die dabei auftretenden Scherkräfte lösen die Fibrillen aus dem Faserverband. Alternativ oder ergänzend kommen Mahl- und Dispergierverfahren zum Einsatz. Chemische, enzymatische oder mechanische Vorbehandlungen, beispielsweise mit Ultra-Turrax- oder Inline-Dispergierern, erleichtern die anschließende Fibrillierung. Solche Vorbehandlungen können den Energiebedarf der mechanischen Herstellung deutlich reduzieren.
  • Die nanokristalline Cellulose wird durch saure Hydrolyse aus Holz, Baumwolle, Hanf aber auch Algen, Bakterien oder Tunicaten u.a. hergestellt. 
  • BNC wird mit Hilfe von Essigsäurebakterien aus Zucker hergestellt. Derartige Produktionsverfahren zählen zur sog. weißen Biotechnologie.



Weiterführende Informationen

Erstellt 2011

Hauptanwendungsgebiete für bakterielle Nanocellulosen stellen die Wundversorgung und neuartige bioaktive Implantate dar. Untersuchungen zeigen, dass Implantate aus bakterieller Nanocellulose keine Fremdkörper-Reaktionen hervorrufen.


Allgemeine Gefährdung

Arm mit Cellulose aus Bakterieller Cellulose. Bildrechte Kallayanee-stock.adobe.com
Bakterielle Cellulose, hergestellt von Essigsäurebakterien aus Kokosnusswasser ©Kallayanee-stock.adobe.com

Im Falle von Wundauflagen sind erste Produkte auf dem Markt erhältlich, die Entwicklung medizinischer Implantate befindet sich noch im Forschungsstadium. In Kombination mit Silberchlorid können antibakterielle Auflagen hergestellt werden. Bakterielle Nanocellulose-Filme gelten als ungiftig .


Untersuchungen am lebenden Organismus

Es traten weder Gewebeveränderungen (sog. Fibrosen), noch Einkapselungen (Abwehrreaktion des Körpers zur Isolierung des Fremdstoffes) oder die Bildung von sogenannten Riesenzellen um das Implantat herum auf . In einer Studie an Mäusen wurde gezeigt, dass kurzzeitig Entzündungsreaktionen am und um das Implantat auftreten können, die mit der Zeit (bis 12 Monate Nachbeobachtung) zurückgingen bzw. ganz verschwanden .


Untersuchungen außerhalb des Organismus – in vitro

Erst die Gabe sehr hoher Dosen verursacht bei den Zellen eine verminderte Teilungsfähigkeit .

Erstellt 2011

Cellulose ist natürlicher Bestandteil von Pflanzen und Nanocellulose wird aus diesen durch verschiedene technische Verfahren isoliert (z.B. aus Zuckerrübe, Holz, Ananasfasern). Insofern ist eine Exposition der Umwelt mit technisch hergestellter Nanocellulose schwer von natürlich vorkommender Cellulose abzugrenzen.

In einer Studie wurde der Nanocellulose-Gehalt der Umgebungsluft während der Herstellung (Mahl- und Trocknungsprozess) untersucht. Bei korrekter Bedienung der entsprechenden Maschinen konnten keine oder nur sehr geringe Partikelzahlen nachgewiesen werden, so dass unter Normalbedingungen von einer geringen luftgetragenen Exposition durch den Produktionsprozess ausgegangen wird . Zu anderen Expositionspfaden wie durch Entsorgung von Produkten oder Abwasser liegen derzeit keine Daten vor.

Erstellt 2011

Nanocellulose findet hauptsächlich Anwendung in der Implantate-Medizin und bei der Wundversorgung . Sie tritt also in direkten Kontakt mit dem Gewebe. Dadurch rückt die Bedeutung der üblichen Haupteintrittspforten für Nanopartikel oder Nanofasern, wie Lunge, Haut und Magen-Darm-Trakt, in den Hintergrund. Bakterielle Nanocellulose-Filme gelten als ungiftig.

In Kombination mit Silberchlorid können antibakterielle Auflagen hergestellt werden . Mikrokristalline Cellulose dagegen wird als Lebensmittelzusatzstoff E460i in der Lebensmittel- und auch in der Pharmaindustrie verwendet. Sie dient als Ballaststoff für kalorienreduzierte Lebensmittel, als Trennmittel oder als Trägerstoff. Gegen den Einsatz der mikrokristallinen Cellulose im Nahrungsmittelsektor, z.B. zur Herstellung von Soßen oder kalorienarmen Zubereitungen, bestehen Vorbehalte, da die Darmwände für mikrokristalline Cellulose durchlässig sind.

In der Pharmazie kommt sie als Bindemittel und Trägerstoff für die Tablettenherstellung zum Einsatz.

Erstellt 2011

Derzeit gibt es nur wenige Untersuchungen, die sich mit dem ökotoxikologischen Potential von Nanocellulose befassen. Nanocellulose besitzt antimikrobielle Eigenschaften, d.h. das Wachstum von Bakterien und Pilzen wird wirksam unterbunden.

Dieser Effekt beruht auf der starken Bindung von Wasser an die Cellulose-Fasern, welches somit der Umgebung entzogen wird. Ist hingegen ausreichend Wasser für bakterielles Wachstum vorhanden, so können Mikroorganismen auch zur Herstellung von Nanocellulose genutzt werden. Dabei nutzt man die enzymatischen Aktivitäten von Bakterien und Pilzen zur Abspaltung von einzelnen Nanocellulose-Fasern aus den komplexen Netzwerken natürlich vorkommender Cellulose.

Im Leuchtbakterientest löste Nanocellulose keine akute Toxizität aus, obwohl sehr hohe Konzentrationen eingesetzt wurden. Es wurde eine NOEC von ≥ 100 mg/l abgeleitet. Jedoch schränkten die Nanocellulose-Fasern die Bewegung von Wasserflöhen ein. Dieser Effekt beruht auf der nicht-gleichmäßigen Verteilung der Fasern im Wasser und ist rein mechanischer Natur. Somit liegt kein Hinweis auf eine direkte toxische Wirkung von Nanocellulose vor .

Nach einer umfassenden toxikologischen Charakterisierung von nanokristalliner Cellulose, welche 9 aquatische Arten (u.a. Fische, Wasserflöhe, Algen) verschiedenster Entwicklungsstufen und eine Leberzelllinie der Regenbogenforelle umfasste, konnte kein Gefährdungspotential für Wasserbewohner ausgemacht werden . Es trat keine oder nur eine geringe Toxizität in den Versuchen auf.

Erstellt 2011

Bisher liegen keine Daten zum Aufnahmeverhalten von Nanocellulose in Zellen vor.

Erstellt 2011

Über das Umweltverhalten von Nanocellulose ist bisher wenig bekannt. Generell wird angenommen, dass in der Luft hauptsächlich Agglomerate anzutreffen sind. Außerdem ist die Bindungsfähigkeit von Wasser sehr hoch, so dass verfügbares Wasser durch die Cellulose gebunden wird .

Erstellt 2011

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