Platin und Platinverbindungen gelangen vor allem durch Verkehr, Industrie und medizinische Anwendungen in die Umwelt. Besonders relevant sind Fahrzeugkatalysatoren, Krankenhausabwässer, Kläranlagen und belastete Sedimente.
Generelle Freisetzung
Platin gelangt vor allem durch Fahrzeugkatalysatoren in die Umwelt. Es gelangt durch Abrieb mit den Abgasen in den Straßenstaub und somit in straßennahe Böden, Sedimente, Oberflächengewässer und Küstenbereiche. Besonders hohe Einträge werden in urbanen Gebieten beschrieben, weil Verkehrsaufkommen und Fahrverhalten die freigesetzte Menge beeinflussen .
Neben Verkehrsemissionen werden industrielle Quellen als relevante Eintragspfade genannt. Dazu zählen unter anderem Bergbau, Metallverarbeitung, Galvanik, Elektronikindustrie, Fahrzeugkomponentenproduktion, Verhüttung, Kohleverbrennung sowie Abfälle aus technischen Anwendungen. Diese können Platin lokal stark anreichern. Über Luft, Abwasser, Böden oder Sedimente verteilen sich die Partikel .
Platin lässt sich in sämtlichen aquatischen Systemen nachweisen – darunter Flüsse, Meer sowie in aquatischen Organismen.
In Gewässern findet man Platin vor allem in Flüssen, Übergangszonen zum Meer, Küstenbereichen, Sedimenten und Lebewesen. Untersuchungen zeigen, dass städtische Abwässer, Verkehr, Industrie und Kläranlagen gemeinsam zur Belastung beitragen, wobei je nach Gebiet unterschiedliche Quellen stärker ins Gewicht fallen können .
Manche Studien beschreiben keine konkreten alltagsnahen Freisetzungspfade, betrachten die jeweilige Substanz jedoch als mögliche Belastungsform in aquatischen Testsystemen .
Ein weiterer wichtiger Eintragspfad sind platinbasierte Medikamente, insbesondere Cisplatin, Carboplatin und Oxaliplatin. Nach der Behandlung werden diese Stoffe oder ihre Umwandlungsprodukte über Urin und Fäzes ausgeschieden und gelangen über Krankenhausabwässer, häusliches Abwasser und Kläranlagen in Flüsse, Küstengewässer und Sedimente. Da Kläranlagen diese Stoffe nicht vollständig entfernen, können sie regelmäßig in aquatische Systeme eingetragen werden .
Freigesetzte Mengen
Die gemessenen Platinmengen in Oberflächengewässern liegen meist im sehr niedrigen ng/L-Bereich. Abwasserströme können deutlich höhere Pt-Konzentrationen enthalten als natürliche Gewässer. Für Kläranlagenabläufe wurden Werte bis 92 ng/L und für Kläranlagensedimente bis 605 µg/kg berichtet .
Straßenstaub und Straßensedimente enthalten häufig höhere Pt-Gehalte als Wasserproben .
Feste Rückstände wie Sedimente können ebenfalls relevante Pt-Mengen bis zu 91ng/g Trockengewicht enthalten. In Klärschlämmen wurden bis zu 192 mg/kg Pt und in Müllverbrennungsaschen bis zu 602 mg/kg Pt nachgewiesen .
In modernen Drei-Wege-Katalysatoren sind typischerweise 1,5–2,5 g Pt verbaut. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen die globale Freisetzung von Platin aus Fahrzeugkatalysatoren auf 14,5 t/Jahr geschätzt .
Bei platinbasierten Medikamenten hängen die freigesetzten Mengen stark von Anwendung, Dosierung und Ausscheidung ab. Für Krebsmedikamente insgesamt werden in aufnehmenden Gewässern Konzentrationen von <2 ng/L bis 762 µg/L und in Sedimenten bzw. Klärschlamm 0,25–42,5 µg/kg berichtet. Diese Werte beziehen sich auf die Stoffgruppe der Krebsmedikamente und nicht ausschließlich auf Platinverbindungen .
Ergebnisse aus dem Labor zur Freisetzung
Laborstudien zeigen, dass Platin-Nanopartikel unter bestimmten Versuchsbedingungen nur geringe Mengen gelöstes Platin freisetzen. In Pflanzenversuchen mit Pt-NPs konnte kaum Platin nachgewiesen werden .
Für Platin aus Fahrzeugkatalysatoren zeigen Labor- und Auswaschungs-Studien , dass es überwiegend als Partikel oder Nanopartikel freigesetzt wird. Der lösliche Anteil liegt häufig unter 10 %, teils sogar unter 1 %. In einer Studie wurden mehr als 99 % des Platins als Nanopartikel beschrieben. Eine lösliche Fraktion kann dennoch entstehen und hängt unter anderem von pH-Wert, Alter des Katalysators und Stoffen wie Chlorid, Schwefelverbindungen, organischer Substanz, Fulvin- und Huminsäuren, Aminosäuren oder Citrat ab .
Kläranlagen können platinbasierte Zytostatika nur teilweise zurückhalten, so dass im Ablauf noch große Mengen zu finden sind .
Die wichtigste Freisetzungsquelle ist der Verkehr. Rückstände aus platinbasierten Medikamenten landen vor allem im Abwasser. Natürliche Gewässer enthalten meist nur sehr geringe Platinmengen.
Update 2026