Eigenschaften und Anwendungen
Nanotone oder englisch Nanoclays (clay = englisch: Tonmineral) basieren auf natürlich vorkommenden Tonen, welche hauptsächlich aus feinteiligen Mineralpartikeln bestehen. Diese mineralischen Partikel der Tone bestehen meist aus Schichtsilikaten, das sind Verbindungen aus Silizium, Sauerstoff und anderen Elementen.
Die Grundbausteine der Schichtsilikate sind Silikat-Tetraeder (chemisch SiO4). Diese Bausteine können über gemeinsame Sauerstoffatome miteinander verbunden sein. Man kann sie sich als „Stapel" von 2-dimensionalen Einfach-, Doppel- oder Mehrfachschichten vorstellen. Die Schichten sind untereinander nicht miteinander verknüpft und können zwischen den Ebenen Wasser und andere Substanzen aufnehmen oder abgeben und dadurch anschwellen oder schwinden, was starre Gerüstsilikate (siehe auch Zeolithe) nicht können.
Zu den Schichtsilikaten zählen Gruppen von Mineralen wie z. B. Glimmer, Talk, Kaolin, Serpentin, Montmorillonit oder Sepiolit. Sie unterscheiden sich unter anderem in der Größe und Abfolge der Bereiche, in denen die SiO4-Tetraeder in den Ebenen nach oben oder unten orientiert sind. Weiterhin lassen sich die Schichtsilikate durch das Vorhandensein anderer Elemente unterscheiden, die an die Stelle der Siliziumkomponenten treten können, wie z.B. Aluminium.
Nanoclays sind nicht brennbar. Das wird im Flamm- und Brandschutz für Kunststoffe genutzt. Sie werden in den Kunststoff eingemischt, dadurch verringert sich die Menge an brennbarem Material. Brennt der Kunststoff, bildet sich eine Trennschicht, die verhindert, dass dieser weiterbrennt. Die besonderen Eigenschaften von Nanoclays, wie z. B. chemische Beständigkeit, mechanische Festigkeit und thermische Stabilität, haben sie für die heutige Elektro- und Elektronikindustrie unverzichtbar gemacht.
Bentonite sind ein Mineralgemisch mit dem Hauptmineral Montmorillonit und werden der Gruppe der Industrieminerale zugeordnet. Es ist absorbierend und quellfähig. Ein typisches Montmorillonit-Teilchen besteht aus ca. 1 nm dicken Schichten, die sich zu großen Stapeln zusammenfügen. Diese großen Stapel verleihen dem Bentonit eine sehr große Gesamtoberfläche, was das Material zu einem wertvollen Absorptionsmittel macht. Absorption ist eine einfache und wirksame Strategie zur Entfernung anorganischer Schadstoffe oder zur Wasser-/Abwasseraufbereitung (Eine steigende Zahl von Veröffentlichungen über die Absorption toxischer Verbindungen durch modifizierte Bentonite zeigt, dass in letzter Zeit ein zunehmendes Interesse an neuen kostengünstigen Absorbentien für die Wasseraufbereitung besteht). Nanoclays können Cäsium binden und zur Reduzierung radioaktiver Kontaminationen genutzt werden .
Für den Einsatz als Katzenstreu wird eine Mischung verwendet, die üblicherweise aus Zeolithen, Sepiolithen oder Bentoniten bzw. Montmorilloniten besteht. Sie zeichnen sich durch eine hohe Aufnahmefähigkeit für Wasser und geruchsverursachende Bestandteile des Katzenurins und Kots aus .
Wird Bentonit mit Wasser gemischt, haften die großen Montmorillonit-Stapel aneinander und verleihen dem Bentonit ein starkes Bindevermögen, so dass es als Bindemittel und als Zusatzstoff zur Verbesserung der Fließfähigkeit geeignet ist. Daher wird Bentonit häufig als Bestandteil von Arzneimitteln und Kosmetika und in industriellen Verfahren (z.B. für Bohrspülungen) verwendet, um die Rheologie zu verbessern .
Weitere Anwendungsgebiete sind beispielsweise als Kunststoffzusatz in Lebensmittelverpackungsfolien, Plastikflachen oder im 3 D-Druck . Mit Nanoton versetzte Kunststoffe besitzen weiterhin oftmals eine höhere Zugfestigkeit, verbesserte Barriere- und Abrasionseigenschaften, hervorragende Oberflächenqualitäten, geringe thermische Ausdehnung und sehr gute Fließ- und Verarbeitungseigenschaften.
Dieses herausragende Eigenschaftsprofil macht Kunststoff-Nanoton-Kompostite zu einer interessanten Alternative zu konventionell verstärkten Werkstoffen. Zusätzlich lassen sich mit Hilfe von Nanotonen, chemisch unverträgliche Kunststoffe mischen, so dass ein Kunststoff entsteht, der die Eigenschaften beider Kunststoffe optimal vereint.
Pulver aus nanoskaligen Nanoclays ist nicht selbstentzündlich. Auch als fein verteilte Mischung mit Luft (Staub) unter Einwirkung einer Zündquelle sind Nanoclays nicht entzündlich, also besteht keine Möglichkeit einer Staubexplosion.
Vorkommen und Herstellung
Nanoclays werden überwiegend auf der Basis des natürlich vorkommenden Sedimentgesteins Bentonit hergestellt, welcher wiederum zu 60 bis 80 Prozent aus Montmorillonit besteht. Montmorillonit ist nach einer Lagerstätte bei Montmorillon in Südfrankreich, Bentonit nach einem Tonvorkommen in den USA im Staate Wyoming in der Nähe von Fort Benton benannt. Er ist ein extrafeines Tonmineral, das durch die Verwitterung von Vulkanasche entsteht. In Europa findet man wichtige Lagerstätten z.B. auf der griechischen Insel Milos, in der Türkei und in Deutschland. In Bayern findet man die größten deutschen Abbaugebiete für das Mineral. Montmorillonitreiche Tone sind durch die Verwitterung und Umwandlung vulkanischer Aschen, Tuffen und basischer Gesteine (z. B. Basalten) entstanden.
Für sehr viele Anwendungen und Produkte in der Kosmetik- und Agrarindustrie oder auch als Katzenstreu werden bevorzugt naturbelassene Bentonite verwendet.
Um die bereits vorhandene Quellfähigkeit von natürlichen Bentoniten in Wasser für Anwendungen in der Gießereiindustrie, der Bau- und Bohrindustrie sowie im Lebensmittelbereich weiter zu steigern, wird oft eine alkalische Aktivierung vorgenommen. Hierbei werden die Kationen (Magnesium, Aluminium, Kalzium) in den Zwischenschichten des Montmorillonits durch Natrium-Ionen ersetzt. Bei der technischen Herstellung erfolgt nach einer Knetaktivierung mit Soda ein Trocknungsprozess, an den sich ein Mahlschritt des Natrium-Montmorillonit anschließt.
In der Papierherstellung sowie als Katalysatoren kommen sauer aktivierte Bentonite zum Einsatz. Diese werden verwendet, wenn große Oberflächen benötigt werden. Hier werden die Adsorptionseigenschaften von Bentonit genutzt. Durch Umsetzung mit Säuren werden Kationen (Magnesium, Aluminium, Eisen) aus den Zwischenschichten herausgelöst und durch Wasserstoff-Kationen (Protonen) ersetzt. Je nach Grad der sauren Aktivierung können große spezifische Oberflächen von bis 450 m²/g erzielt werden .
Zur Einstellung der Fließeigenschaften von Ölen, Fetten, Salben und Kunststoffen werden organophile Bentonite eingesetzt. Diese werden bevorzugt aus alkalisch aktivierten Bentoniten hergestellt und dafür mit organischen Stickstoffverbindungen (Ammoniumverbindungen) umgesetzt, wie man sie z.B. in käuflichen Weichspülern findet. Durch die organische Modifizierung wird die ursprünglich wasserliebende Oberfläche des Bentonits wasserabweisend gemacht und erlaubt so eine vollständige Verteilung der einzelnen Schichtsilikatplättchen in organischen (wasserabweisenden) Lösemitteln. Dies ist wichtig, wenn man wasserabweisende Nanoclays zur gezielten Beeinflussung der Fließeigenschaften von lösemittelbasierten Farben und Lacken oder in Kunststoffen einsetzen möchte.
Weiterführende Informationen
Update 2022